
Ein Irmi-Mangold-Krimi
Erscheint am: 27.Februar 2026
Eine junge Frau, tot in der Gischt am Fuße schroffer Klippen! Irmis Mitbewohnerin kannte Anja, das Opfer, glaubt nicht an einen Unfall und bittet daher Irmi um Hilfe. Diese reist widerwillig nach Irland; erst als sie erfährt, dass die Teenager-Tochter der Verstorbenen auch noch spurlos verschwunden ist, erwacht ihr Ermittlergeist. Sie und Student Malcolm stoßen auf viele Verdächtige, darunter die Schwiegereltern aus Murnau und skrupellose Greyhound-Züchter. Und was hat ein schwer verletzter Flüchtling mitten in einem Steinkreis damit zu tun? Auch Anjas Lebensstil könnte Anstoß erregt haben: Sie arbeitete remote bei einer Pharmafirma und lebte mit ihren Kindern in einem Luxuscamper am Strand. Der komplexe Fall lässt Irmi nicht mehr los
Interview mit Nicola Förg zu »Schroffe Klippen«
Was hat Irmi Mangold dazu bewogen, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen und ausgerechnet in Irland Ermittlungen aufzunehmen?
Irmi wird „sanft gezwungen“. Ihre Mitbewohnerin Louise hat eine Tochter, Babsi, die im Norden Irlands ein Café führt. Sie hat sich dort mit einer deutschen jungen Frau namens Anja angefreundet, eine „digitale Nomadin“. Anja stürzt von einer windumtosten Klippe ins Meer. Babsi will nicht an einen Suizid glauben, auch nicht an einen Unfall. Die irischen Garda glaubt an einen solchen: eine weitere unvorsichtige, wenig trittsichere Touristin eben! Louise lässt nicht locker und mehr noch: Sie aktiviert auch Malcolm, den schottischen Literaturstudenten, der schon in »Verdammte Weiber« für Irmi ein kongenialer Partner war. Malcolm ist Feuer und Flamme und bereit, in Irland mit Irmi zu ermitteln.
Remote irgendwo an einem Strand zu arbeiten – liegt darin nicht auch schon mörderischer Sprengstoff?
Anja ist keine klischeehafte Reisebloggerin oder Beauty Influencerin. Sie arbeitet bei einer Pharmafirma, aber ihr Weg befreit sie von Zeitzwängen. Anjas Kinder sind in einer internationalen Online-Schule eingeschrieben. Sie hat sich und die Kinder in Deutschland abgemeldet und so die deutsche Präsenzschulpflicht umgangen. So ein Lebenskonzept birgt auch Kritikpunkte in sich. Man ist „frei“, vertraut aber weiter auf deutsche Sicherheitsnetze. Man nervt die Einheimischen, indem man ihre Strände zuparkt. Es ist ein Weg von Privilegierten und ist nicht mit den Hippies zu vergleichen, die eine Gegenbewegung zum piefigen Nachkriegs-Wirtschaftswunder probiert haben. Die heutigen Nomaden treiben den Egoismus auf die Spitze, ihre Individualisierung torpediert die Solidargemeinschaft. Und Anjas Schwiegereltern sind mordsmäßig sauer, dass Anja die Enkel quasi entführt hat.
Was macht den Tod von Anja so rätselhaft, dass auch Irmi und Malcolm am Ende an einen Mord glauben wollen?
Anjas Leichnam wies multiple Verletzungen auf, die Aussagen unmöglich machen, ob das ein Unfall oder Mord war. Hinzu kommt, dass es auch um ihre Kinder geht! Kilian wurde von den Großeltern abgeholt, aber Kim, die 14-jährige Tochter, ist in Irland verschwunden – womöglich mit ihrem Freund, einem ukrainischen Flüchtling, untergetaucht. Und dann ist da der Umstand, dass Anja sich im Greyhound Schutz engagiert hat. Diese Hunderennen haben auch mit verschwiegenen und gewaltbereiten Leuten zu tun. Eine deutsche Frau, die ihre Nase in Angelegenheiten einer vorwiegend irischen Männergesellschaft steckt, lebt gefährlich.
Greyhounds kennt man von Rennbahnen, wie geht die irische Gesellschaft mit Hunden und Tierschutz denn um?
Laut irischem Recht gelten Greyhounds nicht als Haustiere, sondern als Farmtiere. Dadurch genießen sie vor dem Gesetz weniger Schutz. Die Greyhound-Industrie bekommt vom Landwirtschaftsministerium hohe Zuschüsse und es gibt Großsponsoren. In Deutschland und in vielen anderen Ländern sind professionelle Windhunderennen verboten, aber in Irland leben Greyhounds in gewerbsmäßig betriebenen Rennställen. Es werden jedes Jahr rund sechzehntausend Greyhounds gezüchtet, von denen nur die wenigsten für die Rennbahn taugen. Man kann sich vorstellen, dass viele schon im Welpenalter getötet werden. Wer es auf die Rennbahn schafft, läuft immer um sein Leben. Zu langsam zu sein, ist ein Todesurteil. Und selbst wenn ein Hund schnell ist, ist so eine Karriere bald vorbei. Und da Einschläfern teuer ist, gibt es andere, illegale, sehr böse Wege diese Hunde zu entsorgen.
Neben der Entsorgung von Rennhunden werden weitere Themen aufgegriffen, die für viele Leser:innen überraschend sein dürften und nicht unbedingt mit Irland assoziiert werden…
Viele haben das Bild der Kerry Gold-Landschaft im Kopf. Tief in die Klischeekiste gegriffen sind Iren rothaarig, unentwegt im Pub, wo sie singen und musizieren. Aber Irland ist auch ein Land in enormem wirtschaftlichem Aufschwung, viele Pharmariesen haben ihre Europazentralen auf der grünen Insel. Multinationale Zuzügler haben das Geld für überteuerte Wohnungen, die Iren nicht! Kleinstädte leiden längst auch unter Verkehrsproblemen. Und in Irland, dem Land von „Hunderttausend Mal willkommen – Céad míle fáilte“ gibt es inzwischen frem-
denfeindliche Tendenzen. Auch hier existiert die Wahrnehmung, dass es zu viele werden, die Benefits abgreifen. In Irland gibt es viele Brüche und Dissonanzen, und wie jedes Land im Aufbruch muss auch Irland Wege zwischen Ökologie und Ökonomie finden.
Die irische Landschaft, insbesondere das raue Donegal, hat Sie begeistert und prägt auch die Ermittlungsarbeit von Irmi?
1994 erschien mein Irland-Reiseführer bei Nelles Guides. Es waren analoge Zeiten, es gab keine Reiseapps, und das gedruckte Buch war ein wichtiger Reisebegleiter. Irland hat immer meine Seele berührt – auch später, als ich oftmals dort für Reisegeschichten war. Es gibt Menschen, die lieben „alte Steine“, ich kann mich dem Zauber von Steinkreisen und Ganggräbern nie entziehen. Die frühchristlichen Abteien, die in Ruinen liegen, stehen immer auf Kraftplätzen. Irmi spürt das auch und sie ist keine große Esoterikerin. Aber da sind eben diese oben erwähnten Probleme und für Irmi ist das ein Bruch: Menschliche Abgründe scheinen in solch epischen Landschaften schwerer zu wiegen. Je heiler eine Welt rein optisch ist, desto weniger darf es Gewalt geben?
Irmi ist in Irland, müssen wir denn auf die alten Kolleginnen und den Lebensgefährten Fridtjof Hase während des Romans verzichten?
Nein, denn die Großeltern von Kilian und Kim leben in Murnau und Kathi und Andrea sind mit Hintergrund-Recherchen beschäftigt. Sie haben sich einmal mehr von Irmi vor den Karren spannen lassen. Auch der Hase ist da mit im Boot, allerdings ist sein Verhältnis zu Irmi immer noch unterkühlt. Die beiden bewegen sich im Umgang miteinander wie auf rohen Eiern und umschleichen sich wie höfliche Fremde.
Der Roman spielt generell sehr subtil mit den Beziehungen zwischen Menschen?
Ja, es geht um das Gesagte und mehr noch um das Ungesagte. Das Verhältnis von Babsi und ihrer Mutter Luise war in der Vergangenheit problematisch. Die sonst so offene Luise ist da seltsam schweigsam. Auch was Irmi, den Hasen und den Tierarzt Franz betrifft, der ja gerade auf Irmis Hof eine Katzenstation aufbaut, liegt da viel in der Luft und es steht viel zwischen den Zeilen. Auch die Tote und deren familiäres Umfeld ist davon geprägt, dass man zu wenig geredet hat und in Schweigen und Manipulation erstickt ist.
Dazu passt auch das Konzept der „Seelenlieder“, die Babsis Café berühmt machen?
Babsis Café und B&B heißt Songbird Café. Sie ist eine kleine Berühmtheit auf social media. Egal, wer ihr Café betritt: Babsi versucht, die Stimmung der Person zu erspüren, und spielt ein passendes Lied. Das klappt fast immer, sie öffnet die Herzen. Und es gibt auch mal Tränen wie beim Last Unicorn von America.





